Kurzpredigt im Vorübergehen
Die vierzigtägige Fastenzeit
bringt eine heilsame Unterbrechung des Gewohnten.
Sie ist ein Angebot, innezuhalten und unser Leben zu überprüfen,
zu uns selbst zu kommen, nach innen zu schauen,
um die Haltungen zu entdecken, die uns wirklich Halt geben.
Allenfalls wird sie zu einer Neuorientierung rufen.
Das Symbolbild der Treppe
kann die vielen kleinen Schritte symbolisieren,
die zur Höhe führen und den Horizont öffnen,
der der Seele Weite und Freiheit gibt
und neuen Sinn erfahren lässt.
Ich gehe zur Mitte
VOR UNS DAS NEUE
In jedem wachen Menschen lebt die Sehnsucht,
wahrhaftig und sinnvoll zu leben, ganz zu sein und
glücklich.
Viele spüren, dass ihr augenblickliches Leben das
nicht erfüllt. Diesen Zustand will die Fastenzeit
unterbrechen und bietet die Chance an, in sich zu
gehen und etwas zu ändern.
Eine alte Lebensregel sagt: „Hör nie auf anzufangen.
Und fang nie an, aufzuhören.“ Beides heißt, sich auf
Wesentliches zu besinnen und zu handeln. Dann sieht
man sich aus einer anderen Perspektive und will alte
Schablonen und bloße Routine und engende Fesseln
verlassen, möchte eine neue Qualität, eine größere
Weite und Freiheit, einen tragenden Sinn verspüren -
und dadurch Erfreuliches, Verheißungsvolles erfahren.
Ein Psychologe ermutigt: „Wir können jeden Tag darum
kämpfen, zu uns selber zu kommen, weg von der
hektischen Oberflächlichkeit, z.B. den
Kommunikationsschrott zu vermeiden, der die
Seelentiefe zumüllt...Gehe ich diesen steilen Weg, dann
merke ich es an den Früchten: Meine Gefühle
ändern sich spürbar, innerer Frieden wird möglich.“
(K.-H. Mandel)
Es gibt viele gute Anregungen zu diesem Anders-leben-
Wollen. So werden die Unterkirchen-Gottesdienste an
den fünf Fastensonntagen auf biblischer Grundlage
eine Vertiefung anbieten.
Der auf Wesentliches bedachte Dietrich Bonhoeffer
reflektierte über sein eigenes Leben und ruft dazu auf,
die „Stufen auf dem Weg zur Freiheit“ zu gehen:
„Nicht das Beliebige,
sondern das Rechte tun und wagen,
nicht im Möglichen schweben,
das Wirkliche tapfer ergreifen,
nicht in der Flucht der Gedanken,
allein in der Tat ist die Freiheit.
Tritt aus ängstlichem Zögern heraus
in den Sturm des Geschehens,
nur von Gottes Gebot
und deinem Glauben getragen,
und die Freiheit wird deinen Geist
jauchzend empfangen.“
Freilich werden wir vollendete Freiheit, Ganzheit, Weite
erst erleben, wenn wir von IHM in Seinen Horizont
gerufen worden sind.
Vorerst aber gilt die Empfehlung:
Nimm alle deine Widerstände unter den Arm und geh
entschlossen auf das zu, was du dir vorgenommen hast!
Ulrich Schäfer
Mein Herz sucht Gottes Nähe
MIT DIR NEUES BEGINNEN
Guter Gott,
manchmal bin ich unzufrieden damit,
wie ich mein Leben lebe.
Oft gehe ich darüber hinweg
in der Fülle des Alltags.
Aber es gibt da eine Ahnung in mir,
eine Sehnsucht nach etwas anderem,
nach etwas, was mir mehr entspricht.
Dann spüre ich, dass ich in manchen Dingen
- eigentlich - anders sein möchte,
dass jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt ist,
etwas zu verändern
anders sein,
als ich es solange schon gewohnt bin
anders handeln,
als ich es seit Jahren und Jahrzehnten tue
anders leben,
nicht mein ganzes Leben umkrempeln,
aber in manch kleinen Verhaltensweisen und Mustern
Neues ausprobieren und wagen.
Mit dir, Gott,
mache ich mich auf den Weg
durch diese Fastenzeit
und erkunde
- anders leben -
Karola Specht-Garnreiter
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