Kurzpredigt im Vorübergehen
Das ist kein Osterspaziergang à la Goethes Faust.
Das ist Lebenswanderung
auf dem Weg zum großen Ziel,
eröffnet vom Getreuen aus Nazaret,
der in Liebe zu Gott und Menschen
dem Tod nicht auswich
und zum göttlichen Leben gerufen wurde
und uns alle mitnehmen möchte.
Wer mit ihm geht,
mache in Freude seinen Osterspaziergang
in der Herrlichkeit der Schöpfung,
die nunmehr ihr Ziel kennt.
Ich gehe zur Mitte
VOR UNS EIN HELLER „NEUER WEG“
Wer das sprachlos machende Glück des
Sonnenaufgangs auf einem hohen Gipfel erleben will,
muss sehr früh in der Nacht aufstehen, um warm
gekleidet. mit Getränk und Stirnlampe den Aufstieg zu
beginnen. Noch ist tiefe Dunkelheit, Schritte sind
achtsam zu setzen, der Weg kostet Kraft.
Nach geraumer Zeit erscheint das erste Dämmerlicht,
das Firmament hellt sich auf, der Gipfel ist nicht mehr
weit. Da brechen plötzlich die ersten Strahlen auf und
mit majestätischer Glut steigt der Sonnenball empor.
Pures Glück
Kann man mit dieser Erfahrung die Auferstehung
Jesu im Kontext unseres Lebens vergleichen?
Tiefe Nacht des Anfangs, Todverfallenheit der
Menschheit, zu der auch Jesus gehört – aber die
Sehnsucht nach Licht, nach einer aufgehenden
„Sonne“ durchwaltet die Geschichte. Durch den
Propheten aus Nazaret brach Dämmerung auf, erste
Strahlen – doch die Nacht verschlang ihn im Tod.
Gottes unzerstörbare Liebe zu seinen Menschen
aber rief ihn aus dem Grab, die Sonne ging auf.
Eine neue Schöpfung begann.
Ein neuer Weg für die Menschheit tat sich auf.
Auch eine bewusst durchlebte Fastenzeit könnte Platz
haben im Vergleich mit dem Aufstieg aus den eigenen
Dunkelheiten und der Sehnsucht nach mehr Licht.
Viele kleine Stufen des persönlichen Bemühens.
Oben aber breitet sich ein neuer Weg aus.
Es ist Ostern. Weit hinten leuchtet die große Sonne.
Die wandernde Frau vertritt uns alle.
Die frühen Christen nannten sich „Menschen des
neuen Weges“.
Was ist das für ein Weg? Es ist unser Alltag mit seinen
Mühen, Freuden, Leiden und Ängsten – aber im Licht
des Auferstehungsglaubens, manchmal sogar mit der
Erfahrung, dass der Auferstandene mit uns geht.
Leuchtende Momente im eigenen Leben und anregende
Vorbilder neben uns stärken unsere Hoffnung,
ermutigen uns zur Verantwortung und Tat, wo wir
unheilvolle Mächte am Werk sehen und wir an den
Verwerfungen der Gegenwart leiden. Dass da
trotz allem in uns das große Dennoch wach bleibt
und wir vertrauen können:
Es gibt nicht ein Leben, das nicht verwandelt werden
könnte.
Es gibt keine Dunkelheit, die nicht vom Licht Jesu
erleuchtet wird.
Es gibt kein Scheitern, das nicht zu einem neuen
Anfang werden könnte, keine Erstarrung, die nicht
aufgebrochen werden kann,
und da ist kein Tod, der nicht in Leben verwandelt
wird..
Das alles besingt in der Osternacht vor der
leuchtenden Osterkerze das Exsultet, das
Annette Jantzen neu übersetzt hat:
„Lobsinge, du Erde, getragen von guter
Schöpfungsmacht!
Liebe, Fülle und Heilsein erwarten dich,
alles Dunkle und alle Angst wird vergehen...
Auch ihr freut euch, Gemeinschaft der Glaubenden,
euch ist eine große Hoffnung gegeben!
Singt, auch wenn das Lied erst noch
zaghaft klingt,
singt von Gottes unzerstörbarer Zukunft.“
So sei mit dieser Perspektive Ostern unbesiegbar
in unseren Herzen! Halleluja.
Ulrich Schäfer
Mein Herz sucht Gottes Nähe
DU GOTT MEINER KLEINEN SCHRITTE
Ich blicke zurück auf die Fastenzeit.
Anders leben wollte ich,
wollte anders handeln,
tiefer sehen, dich, Gott, anders erleben,
mich an dir festmachen.
Vieles ist hinter meinem Anspruch zurück geblieben,
aber ich konnte auch kleine Schritte gehen.
Deine Liebe, Gott, lässt mich nicht
auf der Strecke bleiben.
Du drückst mich an dein Herz und sagst:
Schau auf Jesus, mache dich fest an ihm.
Er hat alle Unzulänglichkeiten,
alles Versagen aufgehoben
und den Tod überwunden.
Er geht mit dir!
Folge dem Osterlicht,
das deinen Weg hell macht
und dich führt.
Geh Schritt für Schritt weiter
auf dem Weg zum wirklichen Leben.
So wie du Jesus, unseren Bruder,
nicht im Tod gelassen hast,
darf auch ich als dein geliebtes Kind
dem Osterlicht vertrauen,
das mir Würde, Freiheit und Leben schenkt.
Ich lobe und preise dich dafür
und singe befreit das Oster-Halleluja.
Katharina Könen-Schäfer
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