Kurzpredigt im Vorübergehen
Alle Menschen wollen leben -
gut, glücklich, gesund, geliebt, im Frieden...
Die Realität bleibt dahinter weit zurück.
Und viele verdrängen es, dass unser Leben unweigerlich ein Ende hat.
Der offene Blick auf die End-lichkeit kann Flügel verleihen,
den Augenblick in seiner Kostbarkeit zu leben
und das Vertrauen auf den zu stärken,
der den Tod überwunden hat.
Einmal also erwachen zum wirklichen Leben!
Endlich.
Ich gehe zur Mitte
END-LICH
… Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Diese berührenden Worte Eichendorffs
entsprangen nicht einer Todessehnsucht,
sondern dem Lebensglück einer herrlichen
Mondnacht bei Sternenglanz, wogenden Ähren,
Waldesrauschen - dem Leben in vollen Zügen
mit Liebe zur Erde, zum Dasein, zu seinem
persönlichen Leben mit all seinen Höhen und
Tiefen.
Aber gerade in diesem erfüllenden Jetzt und
Hier das erwachende Ahnen,
dennoch nicht ganz zu Hause zu sein.
Wer wie der Dichter die Wirklichkeit klar sieht
und nicht verdrängt,
(wie etwa jene, die ob ihres nicht gelebten,
leeren Lebens Ängste beschleichen mögen)
wird nicht aus dem Blick verlieren,
dass er dem sicheren irdischen Ende entgegen
geht, dass sein Leben also end-lich ist.
In diesem Bewusstsein zu leben
nährt nicht deprimierende Todesfurcht,
sondern schenkt Gelassenheit und Frieden.
Freilich bedarf es dazu des Vertrauens,
dass unser Dasein von einem übergreifenden
Sein umspannt ist, von einer tragenden,
sinngebenden, ja liebenden Macht,
in der unser Leben wie Sterben geborgen ist.
Darauf beruht gläubige Lebenskunst.
Und dann,
wenn die große letzte Stunde gekommen ist,
wird End-gültigkeit zur Voll-endung.
Endgültig ans Ziel gekommen,
endlich Erfüllung aller Sehnsucht.
Dort, „wo alles überwunden ist, alles Böse,
Kalte, Hochmütige... wenn alles Erdenwerk
vollbracht ist und alle Schuld gesühnt... wenn
die Zeit vorbei ist im ewigen Jetzt und das
Geschöpf ganz klar und mit seinem Wesen zu
Gott steht.“ (Romano Guardini)
Eichendorff würde wohl sagen:
„Jetzt, endlich, ist meine Seele ganz zu Haus.
Auf immer.“
Ulrich Schäfer
Mein Herz sucht Gottes Nähe
VARIANTENREICHES „ENDLICH“
End-lich leben,
endlich wirklich leben,
unendlich leben -
alles Haltungen und Lebensprozesse,
bei denen du, Gott
- hoffentlich -
an meiner Seite bist.
Endlich wirklich leben heißt
ganz im Hier und Jetzt sein
und mich selbst intensiv spüren.
End-lich stellt ja keinen
Gegensatz dazu dar.
Denn du, Gott,
forderst mich auf,
inmitten des vollen Lebens
immer wieder die End-lichkeit
vor Augen zu haben
und in dem Bewusstsein zu leben,
dass mein Da-Sein in dieser Welt
ein End-liches ist,
das in eine Unendlichkeit mündet
bei DIR.
Karola Specht Garnreiter
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