Ich gehe zur Mitte

FREUNDSCHAFTS – GEDANKENSPLITTER

Das Wort Freundschaft ist oftmals Etikettenschwindel.
„Freundschaft“ war das Begrüßungswort der komm.
Jugend in der DDR, doch die Bespitzelung blühte.
„Völkerfreundschaft“ hieß das Traumschiff jenes Staates,
aber es legte in keinem westlichen Hafen an.
„Freunde“ nennen sich viele in den Sozialen Medien,
aber keiner kennt den anderen.
So ist der hehre Begriff leer und hohl geworden -
gottlob nicht für alle.
Freundschaft bedeutet immer eine intensive Verbindung
zwischen zwei oder mehreren Menschen. Es gibt sie
zwischen Männern, zwischen Frauen, auch zwischen
Mann und Frau – ganz ohne die sexuelle Komponente.
Immer ist etwas Verbindendes da.

Unser Plakat zeigt ein Bild von Petrus und Paulus, zu
deren Gedächtnis um den 29. Juni die Petersfeuer
brennen, die bekunden wollen, dass sie als Apostel
Jesu Licht in die Welt gebracht haben. Aber waren sie
Freunde? Ihre Unterschiede an Charakter, Temperament,
sozialer Prägung waren extrem, sie haben ernsthaft
gestritten, von Freundschaft ist nirgends die Rede.
Gemeinsam war nur ihre Christustreue und das Martyrium.

Was aber ist Freundschaft wirklich? Sie entzieht sich jeder
Definition, aber man kann sich ihr nähern, wie es der
griechische Philosoph Aristoteles (+ um 322 v. Chr.)
als erster Europäer versucht und beschrieben hat.
Was stiftet die Verbindung zwischen zwei Menschen?
Er fand drei Motivationen:
Zunächst: Ein gemeinsames sachliches Interesse.
So gibt es Geschäftsfreunde, Parteifreunde, Schul-
freunde.... Man hat ein gemeinsames Ziel, aber
wenn es erreicht ist, ist meist auch die Verbindung
vorbei, es bleiben bestenfalls Erinnerungstreffen.
Sodann: Eine gemeinsame Leidenschaft, die Menschen
miteinander teilen. Das gemeinsame Tun und Erleben
bereitet Freude und schafft Zusammenhalt. So gibt es
Sportfreunde, Reisefreunde, Chorkreise, Kultur-
gruppen, Engagierte in der Sozialarbeit, in der Kirchen-
gemeinschaft, in Vereinen aller Art. So kann man je
nach Interessen viele verschiedene Freunde haben.
Diese Bindungen gehen oft tiefer, sind beständiger.
Wenn hier ein „Freund“ einseitig eine Beziehung
abbräche, ohne die Gefühle des anderen zu achten,
wäre das dessen Missachtung und daher sehr
schmerzlich.
Wahre Freundschaft aber meint den anderen ganz
um seiner selbst willen, sie hat Tiefe und Verlässlichkeit.
Sie beginnt häufig - wie die Liebe – auf den ersten Blick.
Es geht nicht mehr um einen Zweck, sondern es
wächst eine persönliche Vertrautheit und Verbundenheit,
die füreinander die Herzen aufschließt. Jeder möchte,
dass es dem anderen gut gehe in jeder Situation.
Der weise Cicero hinterließ das Wort: „Einen sicheren
Freund erkennt man in unsicherer Sache.“
Die Offenheit und Ehrlichkeit zueinander führt zu einer
seelischen Resonanz, die jedem hilft, auch sich selber
besser zu verstehen und so aneinander zu wachsen.
So gelingt Leben.
Eine solche Freundschaft hat auch Jesus gesucht und 
gepflegt. Johannes stand ihm besonders nahe, ebenso
Maria Magdalena. Sie waren bei ihm bis zu seiner
schwersten letzten Stunde.

Freundschaften jeglicher Art haben auch meinen
Lebensweg begleitet bis heute – Interessen-geleitete,
von gemeinsamer Leidenschaft geprägte wie tragende
wahre Freundschaften um des anderen willen.
Freunde und Freundinnen gingen froh machend und
stärkend wie „Engel ohne Flügel“ an meiner Seite,
Ihnen sei von Herzen Dank.
Als Fazit darf gesagt werden: Die Freundschaft ist - 
wie die Liebe - eine der schönsten „Erfindungen“ und 
der beglückendsten Geschenke des Schöpfers, denn 
schließlich gilt SEINE verlässliche Freundschaft
einer/einem jeden von uns.

Ulrich Schäfer