Kurzpredigt im Vorübergehen
Der Engel am Hirtenfeld in Betlehem
- hier dargestellt im Stil der romanischen Buchmalerei -
verkündet die große Freude für alle Menschen
durch die Geburt des göttlichen Kindes im Stall (Lk 2).
Damit endet die menschliche Einsamkeit der Gottesferne.
Gegen die Not unserer Einsamkeiten, deren Ursache bei Menschen liegt,
ruft Jesus uns zur Geschwisterlichkeit auf
und schenkt uns im Glauben seine aufrichtende Nähe.
Und in der tiefsten Einsamkeit jedes Sterbens
wird er der rettende Begleiter sein.
Das ist Weihnachtsglück.
Ich gehe zur Mitte
VERGISS DIE NOT DER EINSAMKEIT
Die „große Freude“, die der Engel den Hirten
verkündet, muss angefragt und übersetzt werden.
Worüber sollen sich die Hirten - also auch wir -
sich freuen und weshalb? Dass da einer gekommen
ist, der die Fähigkeit besitzt, alle Welt von der
menschlichen Urangst der Einsamkeit zu befreien!
Da ist doch die gesellschaftliche Schwachstelle
der Gegenwart, dass bei vielen, bei Jung und Alt
geklagt wird, dass Verbundenheit, Rücksicht,
freundlicher Umgang, Wärme immer weniger
erlebt werden und daher Einsamkeit um sich greift.
Hochaktuell also die alte Weihnachtsbotschaft.
Im Kern: Gott ist Mensch geworden.
Über diesen so locker dahingesagten Satz müsste
man ins Stolpern kommen.
Bewegend vertiefte es der Theologe Karl Rahner:
„...jetzt ist er selbst auch auf unserer Erde, auf der
es ihm nicht besser geht als uns, auf der ihm
keine Sonderregelung zuteil wurde, sondern unser
aller Los – Hunger, Müdigkeit, Feindschaft, Todes-
angst und ein elendes Sterben. Dass die Unendlich-
keit Gottes die menschliche Enge, die Seligkeit die
tödliche Trauer der Erde, das Leben den Tod
annahm, das ist die unwahrscheinlichste Wahrheit.“
Gott wurde Mensch. Konkret heißt das:
Geburt mit Stöhnen, Schmerzen, Blut, Fruchtwasser,
Trockenlegen... Mütter wissen das noch genauer.
So und nicht anders tritt Gott in unsere Welt -
für manche „Fromme“ ein Ärgernis. Im vorigen Jahr
hat einer von ihnen im Linzer Dom eine als
Gebärende dargestellte Marienfigur brutal geköpft.
So eine realistische Sicht vom Kommen des
Himmelskindes ist ihrem Gottesbild zuwider.
Aber nur ein wahrer Mensch mit der Herzenswärme
des Himmels kann aus quälender Einsamkeit erlösen.
Nur wer Zugehörigkeit und Geborgenheit schenkt,
hat das wirksamste Rezept gegen Einsamkeitsleid.
Natürlich haben viele Menschen Herzenswärme,
leben Hingabe für andere, Freundschaft, Nächstenliebe.
Aber dies alles ist zerbrechlich, kann auch scheitern.
Und in die größte Einsamkeit, ins Sterben, kann
keiner mitgehen. „Nur einer gibt Geleite...“
Schon vom Kind in der Krippe geht Verbindendes,
Befreiendes aus, wie es zwei Evangelien ausmalen:
Engel jubilieren im harmoniereichen Chor,
die Hirten gehen mit Freudensprüngen zurück,
die Könige erleben ihren Heimweg als Gotterfüllte.
Und Du und ich, die wir Weihnachten mit dem Kind,
dem Einsamkeitsüberwinder, feiern wollen,
wie könnte das gehen?
Noch einmal Karl Rahner mit einem paradoxen Rat:
„Hab den Mut, allein zu sein. Erst wenn man das
wirklich zustande gebracht hat, kannst Du hoffen,
ein weihnachtliches Herz, also ein sanftes, geduldiges,
tapfer gefasstes, leise zärtliches Herz jenen zu
schenken, die Du Dich zu lieben bemühst.
Dieses Geschenk ist die eigentliche Gabe unter dem
Christbaum, sonst sind alle anderen Geschenke
doch nur unnütze Ausgaben.“
Gesegnete Weihnacht!
Ulrich Schäfer
Mein Herz sucht Gottes Nähe
EINSAMKEIT
Eins-sein, ist das wunderbare Gefühl,
mitzuschwingen mit Menschen,
in der Natur aufzugehen,
sich beheimatet zu fühlen im Kosmos,
Teil des großen „Alles“ zu sein,
was wir Gott nennen.
Im Einsam-sein
spüre ich das Getrennt-sein.
Ich bin nicht offen,
für das, was mich umgibt,
was auf mich wartet.
Alles ist da -
Du, Gott, bist immer da!
Wenn ich annehmen kann,
dass ich
angewiesen bin,
abhängig,
bedürftig,
verletzlich…
wie das Kind im Stall.
Dann hat die Einsamkeit ein Ende
und das Eins-sein
einen Anfang.
Regina Georg
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