Ich gehe zur Mitte

GEISTESGABE MUT

Aufgrund seiner umwerfenden Begegnung mit dem
auferstandenen Jesus, nunmehr Christus, hatte sich 
Paulus zum Spezialisten für den göttlichen Geist
entwickelt. Im Rückgriff auf Jesaia 11,2 formulierte er 
sieben besondere Geistesgaben: Weisheit, Einsicht, 
Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit, Gottesfurcht – 
alles Gaben, die es in sich haben, doch deutungs-
bedürftig sind. Aber die wohl wichtigste Gabe ist nicht 
dabei: der MUT.
Alle pfingstlichen Texte bezeugen das: Da fliegen bei
den verängstigten Jesusfreunden die Türen auf, die
einfachen Fischer reden vor Menschenmassen,
bewirken heilende Taten, achten nicht darauf, dass
dies ihnen Widerspruch, Verfolgung, Kerker einbringen
könnte. Ihre Be-geisterung hat sie ungeahnt mutig
gemacht. Ja die ganze Bibel ist voller Mutgeschichten -
von Noah und Abraham bis zum Schluss.

Was ist eigentlich Mut?
Einfach ausgedrückt: eine starke emotionale Kraft, ein
Herzensimpuls, gepaart mit dem Verstand (mit diesem
aber leicht in Widerspruch geratend), die uns befähigt
zu  Worten und Taten im Sinne der Gerechtigkeit,
Wahrheit, Hilfsbereitschaft, der Verantwortung für
Größeres - mit der Bereitschaft, dafür Gefahren, Nach-
teile, Ängste in Kauf nehmen.
Ein Psychologe formuliert es klüger:  „Mut motiviert uns,
uns unseren Ängsten zu stellen, zu unseren Werten zu
stehen und unser wahres Selbst zu verfolgen, selbst
wenn die Welt gegen uns zu sein scheint.“

Mut verwirklicht sich immer in Bewegung – in äußerer
physischer wie innerer gedanklicher und emotionaler.
Schließlich sind alle Pfingstsymbole – Taube, Feuer, 
Wasser, Sturm – überaus bewegte Elemente. Dieses 
Bewegtsein möchte unser Plakat zum Ausdruck 
bringen in den spiralförmig vielfarbigen Strahlen rings 
um das Wort Mut.
In unserer Sprache gibt es viele Wortkombinationen
mit „...mut“, was andeutet, dass es verschiedenste
Aspekte des Mutes gibt.
So der körperliche Mut, etwa die Tapferkeit, Leben zu
retten...So der Mut im Alltagsleben, die Zivilcourage,
mit Wort und Tat anderen beizustehen gegen Angriff
und Verunglimpfung… Es gibt den Mut zur inneren
Redlichkeit, zu seiner Überzeugung zu stehen, seinen
Glauben ohne Scheu zu bekennen...
Schließlich der emotionale Mut, zu seinen Gefühlen zu
stehen und Liebe und Freundschaft ehrlich zu leben,
aber auch die Fähigkeit, mit Verlust und Schicksals-
schlägen tapfer umzugehen.

Heute muss festgestellt werden, dass viele Menschen
mutlos geworden sind. Sie haben sich zurückgezogen  
ins Schweigen der Bequemlichkeit und verhalten sich
so wie die bekannten drei Affen.

Das erste Wort der Schlusspredigt beim Katholikentag
lautete: „Die Welt brennt“ - im Großen wie im Kleinen --
vom Raketen- und Drohnenterror der Kriegstreiber über
die Verführungslügen demokratiefeindlicher Parteien
bis zum tödlichen Mobbing im Klassenzimmer...
Dagegen heißt es aufzustehen, wenn die Welt nicht
brennen, sondern friedvoll leben soll.
Gottes Geist ist dabei und macht Mut dazu.
und Adolf Kolping ergänzt aus seiner Erfahrung:
“Wer Mut zeigt, macht Mut.“

Ulrich Schäfer