Kurzpredigt im Vorübergehen
Die Sehnsucht nach einer guten Freundschaft
ist so alt wie die Menschheit selbst.
Friedrich Schiller würdigt sie in der Ode an die Freude:
„Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein...“
Freundschaft ist etwas Großartiges,
doch sie ist nicht selbstverständlich.
Sie beruht auf dem seelischen Nahekommen von Menschen,
die sich füreinander öffnen und so ein
beglückendes Geben und Nehmen erfahren.
Freundschaft ist nicht machbar,
sie ereignet sich wie zufällig.
Gläubige Menschen verstehen sie
als ein Geschenk des Himmels.
Ich gehe zur Mitte
FREUNDSCHAFTS – GEDANKENSPLITTER
Das Wort Freundschaft ist oftmals Etikettenschwindel.
„Freundschaft“ war das Begrüßungswort der komm.
Jugend in der DDR, doch die Bespitzelung blühte.
„Völkerfreundschaft“ hieß das Traumschiff jenes Staates,
aber es legte in keinem westlichen Hafen an.
„Freunde“ nennen sich viele in den Sozialen Medien,
aber keiner kennt den anderen.
So ist der hehre Begriff leer und hohl geworden -
gottlob nicht für alle.
Freundschaft bedeutet immer eine intensive Verbindung
zwischen zwei oder mehreren Menschen. Es gibt sie
zwischen Männern, zwischen Frauen, auch zwischen
Mann und Frau – ganz ohne die sexuelle Komponente.
Immer ist etwas Verbindendes da.
Unser Plakat zeigt ein Bild von Petrus und Paulus, zu
deren Gedächtnis um den 29. Juni die Petersfeuer
brennen, die bekunden wollen, dass sie als Apostel
Jesu Licht in die Welt gebracht haben. Aber waren sie
Freunde? Ihre Unterschiede an Charakter, Temperament,
sozialer Prägung waren extrem, sie haben ernsthaft
gestritten, von Freundschaft ist nirgends die Rede.
Gemeinsam war nur ihre Christustreue und das Martyrium.
Was aber ist Freundschaft wirklich? Sie entzieht sich jeder
Definition, aber man kann sich ihr nähern, wie es der
griechische Philosoph Aristoteles (+ um 322 v. Chr.)
als erster Europäer versucht und beschrieben hat.
Was stiftet die Verbindung zwischen zwei Menschen?
Er fand drei Motivationen:
Zunächst: Ein gemeinsames sachliches Interesse.
So gibt es Geschäftsfreunde, Parteifreunde, Schul-
freunde.... Man hat ein gemeinsames Ziel, aber
wenn es erreicht ist, ist meist auch die Verbindung
vorbei, es bleiben bestenfalls Erinnerungstreffen.
Sodann: Eine gemeinsame Leidenschaft, die Menschen
miteinander teilen. Das gemeinsame Tun und Erleben
bereitet Freude und schafft Zusammenhalt. So gibt es
Sportfreunde, Reisefreunde, Chorkreise, Kultur-
gruppen, Engagierte in der Sozialarbeit, in der Kirchen-
gemeinschaft, in Vereinen aller Art. So kann man je
nach Interessen viele verschiedene Freunde haben.
Diese Bindungen gehen oft tiefer, sind beständiger.
Wenn hier ein „Freund“ einseitig eine Beziehung
abbräche, ohne die Gefühle des anderen zu achten,
wäre das dessen Missachtung und daher sehr
schmerzlich.
Wahre Freundschaft aber meint den anderen ganz
um seiner selbst willen, sie hat Tiefe und Verlässlichkeit.
Sie beginnt häufig - wie die Liebe – auf den ersten Blick.
Es geht nicht mehr um einen Zweck, sondern es
wächst eine persönliche Vertrautheit und Verbundenheit,
die füreinander die Herzen aufschließt. Jeder möchte,
dass es dem anderen gut gehe in jeder Situation.
Der weise Cicero hinterließ das Wort: „Einen sicheren
Freund erkennt man in unsicherer Sache.“
Die Offenheit und Ehrlichkeit zueinander führt zu einer
seelischen Resonanz, die jedem hilft, auch sich selber
besser zu verstehen und so aneinander zu wachsen.
So gelingt Leben.
Eine solche Freundschaft hat auch Jesus gesucht und
gepflegt. Johannes stand ihm besonders nahe, ebenso
Maria Magdalena. Sie waren bei ihm bis zu seiner
schwersten letzten Stunde.
Freundschaften jeglicher Art haben auch meinen
Lebensweg begleitet bis heute – Interessen-geleitete,
von gemeinsamer Leidenschaft geprägte wie tragende
wahre Freundschaften um des anderen willen.
Freunde und Freundinnen gingen froh machend und
stärkend wie „Engel ohne Flügel“ an meiner Seite,
Ihnen sei von Herzen Dank.
Als Fazit darf gesagt werden: Die Freundschaft ist -
wie die Liebe - eine der schönsten „Erfindungen“ und
der beglückendsten Geschenke des Schöpfers, denn
schließlich gilt SEINE verlässliche Freundschaft
einer/einem jeden von uns.
Ulrich Schäfer
Mein Herz sucht Gottes Nähe
DANK DIR FÜR DIE FREUNDSCHAFT
Guter Gott,
ich danke dir für die Menschen in meinem Leben,
die ich wahre Freunde nennen darf.
Danke für das Vertrauen und die Geborgenheit,
die ich bei ihnen spüren kann.
Wahre Freundschaft ist unendlich kostbar
und macht uns reich.
Ich bitte Dich, bewahre unsere Freundschaft.
Schenke uns die Kraft, auch in schwierigen Zeiten
füreinander da zu sein,
Lasten gemeinsam zu tragen
und einander ehrlich und respektvoll zu begegnen.
Lass uns verzeihen können, wenn wir Fehler machen,
und uns gegenseitig im Glauben
und im Leben stärken.
Hilf auch mir, ein guter und treuer Freund/in zu sein,
Gib mir ein offenes Ohr, Geduld und Bereitschaft,
Freud und Leid miteinander zu teilen.
Guter Gott,
danke Dir, dass Du unser Freund sein willst.
Du siehst, wenn wir Hilfe brauchen
und stellst uns Menschen an unsere Seite.
Du nimmst uns in den Arm,
wenn wir uns einsam fühlen.
Du schenkst Mut,
wenn wir zaudern und aufgeregt sind.
Du jubelst mit uns,
wenn uns etwas gelingt.
Hilf uns, Dir als unserem Freund
an unserer Seite zu vertrauen,
die heilige Geistkraft,
die allzeit bei uns ist,
zu spüren.
Amen.
Gabriele Philippczik
Der aktuelle Spirituelle Impuls als PDF-Datei zum Ausdrucken und Vergrößern
In unserem Archiv finden Sie die früheren Spirituellen Impulse.